Laut einer englischen Umfrage können sich 92 Prozent aller Frauen an die ersten Schuhe erinnern, die sie von ihrem eigenen Geld gekauft haben. Hingegen erinnern sich weniger als zwei Drittel an den Namen der Person, die sie als Erste küssten.
Mir war schon lange klar, dass ich nicht in dieses «Frauen und Schuhe»-Klischee passe, und obige Umfrage beweist es einmal mehr. Der einzige Grund, wieso bei mir mehr als drei, vier Paar Schuhe im Schrank stehen, ist, dass ich neben denen, die ich Alltag anziehe, noch Joggingschuhe, Wanderschuhe und Hallenturnschuhe besitze. Mein erstes selbst verdientes Geld habe ich gespart, bis ich mir eine Stereoanlage kaufen konnte.
Hingegen erinnere ich mich an den ersten Schuhkauf ohne meine Mutter. Sie gab mir das Geld und ich zog alleine los, schätzungsweise etwa 13 Jahre alt. Ich wünschte mir braune Wildlederstiefel, mit «Zötteli» dran, was man damals halt so trug. In meiner Grösse gab es keine mehr, und die ältere Verkäuferin versuchte vehement, mir ein anderes Paar zu verkaufen, was ich noch heute als ungemeine Frechheit empfinde, da es die durchschnittliche 13-Jährige nämlich viel Sturheit und Energie kostet, sich von einer erfahrenen Verkäuferin nicht zu einem unerwünschten Kauf überreden zu lassen. Den Schuhladen habe ich bis heute nie mehr betreten.
Gibt es denn unter meinen Leserinnen tatsächlich solche, die sich an ihre ersten selbstverdienten Schuhe erinnern?
PS: Ach ja, die Kuss-Statistik. Da füge ich mich der Zweidrittelmehrheit an.
Übers Jahr gesehen war 2009 kein gutes Lesejahr. Wenn ich versuche mich zu erinnern, was ich denn so gelesen habe, fällt mir erstens die Trilogie von Stieg Larsson ein und zweitens die auf die zwei Bände «Gut gegen Nordwind» und «Alle sieben Wellen» verteilte Liebesgeschichte von Emmi und Leo. Unterhaltsame Bestseller, schnell gelesen und dann auch schon wieder fast vergessen.
Mit dem Erscheinen von Nick Hornbys wunderbarer «Juliet, naked» kam im Herbst glücklicherweise meine Lesefreude zurück, und seither habe ich doch noch das eine oder andere wirklich gute Buch gelesen.
Und nun habe ich vor wenigen Minuten mit grossem Bedauern den Buchdeckel des absolut lesenswerten Romans «Zwei an einem Tag» von David Nicholls zugeschlagen. Es ist lange her, dass mich eine Geschichte so mitgerissen hat, was vielleicht auch an der besonderen Erzählweise liegt, die dem Leser die Protagonisten Emma und Dexter wirklich nahe bringt. Die beiden lernen sich am 15. Juli 1988 an ihrer Schulabschlussfeier näher kennen, und in der Folge erfahren wir in jedem Kapitel, wie es ihnen am 15. Juli der nächsten 20 Jahre geht. Wie sie zu einander, aber auch wo sie gerade im Leben stehen.
Für mich besonders interessant ist, dass Emma und Dexter nur wenige Jahre älter sind als ich und ich mich noch gut an viele der beschriebenen Zeit- und Modeerscheinungen erinnern kann. Ausserdem habe ich ein gutes Datumsgedächtnis und weiss lustigerweise auch noch von einigen Jahren, was ich am 15. Juli unternommen habe.
«Zwei an einem Tag» erzählt die Liebesgeschichte zweier Menschen, die alles andere als perfekt sind, auf den ersten Blick auch überhaupt nicht zu einander passen, aber eben doch zusammengehören. Und eigentlich wissen die beiden das auch, nur haben sie einfach ein furchtbar schlechtes Timing.
Es ist aber auch eine Geschichte darüber, wie man seinen Weg im Leben findet, und dass es «den» einzig richtigen Weg nicht gibt. Eine Geschichte über verpasste Chancen, über Feigheit, Zukunftsängste. Eine witzige, unterhaltsame und schlussendlich auch schrecklich-schön-melancholische Geschichte, die ich wärmstens weiterempfehle.
Auch wenn ich es hier grossartig angekündigt habe, war es Andrea, die bei der Migros nachfragte, was es denn eigentlich mit diesem Weihnachtsmann in der Plakatwerbung auf sich habe. Heute bekam Andrea eine Antwort per Email, die ich hier veröffentliche:
Sehr geehrte Frau XXX
Vielen Dank für Ihre Rückmeldung und Ihre Geduld für die lange Wartezeit.
In Ihrem Schreiben schildern Sie, dass Sie es schade finden, dass wir den Weihnachtsmann für unsere Weinachts-Werbekampagne einsetzen.
Auch dieses Jahr wollen wir mit dem Weihnachtssymbol, dem „Samichlaus“ (kombiniert mit den Rentieren), die Weihnachten mit einem Augenzwinkern multikulturell zelebrieren. Wir sind uns bewusst, dass wir mit unserer Werbung nicht immer alle Kundinnen und Kunden ansprechen.
Werbung ist grundsätzlich subjektiv und wird somit auch unterschiedlich beurteilt. Die Migros bemüht sich auch mit der Werbung ihrer vielfältigen Kundschaft gerecht zu werden. Ihre Ausführungen nehmen wir zum Anlass, unsere Arbeit immer wieder selbst kritisch zu beurteilen.
Der offene Dialog mit unseren Kundinnen und Kundin liegt uns sehr am Herzen. In diesem Sinne nochmals vielen Dank für Ihre Mitteilung und eine schöne Weihnachtszeit.
Bei Rückfragen zu diesem Thema beziehen Sie sich bitte auf die Referenznummer xxxxxx.
Freundliche Grüsse
(Migros-Genossenschafts-Bund)
Multikulturalität wird hier zelebriert! Da wirke ich mit meinen Überlegungen ja schon fast intolerant und unaufgeschlossen. Als ob ich bei der Minarett-Initiative ein «Ja» in die Urne gelegt hätte.
Diese Auflistung zeigt, dass der Weihnachtsmann (ob mit oder ohne Rentiere) längst nicht überall als Symbol für Weihnachten eingesetzt werden. Die Traditionen sind von Land zu Land verschieden. Dann wäre es ja nur konsequent, wenn die Migros nächstes Jahr zum Beispiel mit dem russischen «Väterchen Frost», danach mit dem katalanischen Tió schlussendlich vielleicht am besten mit dem italienischen «Gesù bambino» werben würde. Das bedeutet übersetzt Christkind, und so wäre (fast) alles wieder beim Alten.
PS: Leider erklärt die Migros in ihrem Schreiben nicht, wieso das Christkind seinen Job an den Weihnachtsmann verloren hat. Ich halte es inzwischen für ein typisches Opfer der Personenfreizügigkeit.
Viele Manndli-Highlights werden von mir inzwischen vertwittert, oder, korrekt ausgedrückt, getweeted. Nicht alle aber passen in 140 Zeichen, und so wird dieses hier zu einem Blogbeitrag. Seit drei Monaten besucht der Sohn jeden Freitagmorgen eine Spielgruppe, und es scheint ihm dort gut zu gefallen. Wenn ich ihn abhole erzählt er, mit welchen Spielzeugen er gespielt oder was er gebastelt hat, und seit neustem singt er sogar einige der Lieder nach, die die Kinder am Morgen gleich als erstes zusammen mit den Leiterinnen singen (ein Riesenfortschritt, nachdem er wochenlang lang ein «Im Kreis sitzen und singen-Verweigerer» war.
Freitags auf dem Nachhauseweg fragte ich ihn, ob es denn unter den anderen Kindern eines gäbe, das er besonders nett fände. «Lego», sagte mein Sohn. «Ich meine nicht die Spielsachen. Gibt es irgendein Kind, mit dem du besonders gern spielst? Ein Bueb oder ein Meiteli?» «Lego», sagte das Manndli wieder. «Lego Bueb isch». Da fiel mir ein: Eines der ältesten Kinder in der Gruppe heisst Diego. «Den Diego? Der schon so gross ist wie der Bollo?» «Ja, Lego grosse Bueb isch».
Offen bleibt, warum das Manndli den Diego mag. Kann gut sein, dass es an seinem Vornamen liegt.