Ich geb’s zu, ich informiere mich gerne über den neusten Promi-Klatsch, bevorzuge aber Geschichten über sogenannt «richtige» Berühmtheiten, mit unserer Cervelat-Prominenz kann ich nichts anfangen. Deshalb blättere ich beim Coiffeur die Schweizer Illustrierte – wenn überhaupt – nur noch kurz am Schluss durch, während die Gala bei meiner Ankunft bereits zuoberst auf dem Heftlistapel bereit liegt. (Und doch: Ich bin ich ein Riesenfan von klatschheftli.ch. Auch wenn ich manchmal nicht weiss, über wen dort gerade gelästert wird).
Vor einiger Zeit las ich, dass die Schauspielerin Gwyneth Paltrow wöchentlich einen Newsletter verschickt, mit Beiträgen zu Themen wie Ernährung, Sport, Kultur, Mode und Familie. Bald gehörte auch ich zu den Abonnenten von Goop und war gespannt, ob die schöne Gwyneth mein Leben mit wertvollen Tipps würde bereichern können.
Einige Monate später erhalte ich noch immer jeden Donnerstagnachmittag die neuste Ausgabe von Goop. Das unterhaltsame daran ist für mich Gwyneth’ Weltfremdheit (die amerikanische Online-Medienwelt spricht lieber gleich von Selbstgefälligkeit), die manchmal mehr, manchmal weniger durchscheint. Sie lebt halt nicht das Leben einer «Normalsterblichen» und macht uns das mit jeder Ausgabe (ob gewollt oder ungewollt) von neuem bewusst. Da kann sie noch so darüber klagen, wie wenig Zeit «uns Eltern» mit kleinen Kindern für die Zubereitung des Abendessens bleibt; es wirkt nun mal unglaubwürdig, wenn der von ihr vorgestellte, schnell zuzubereitende Salat Zutaten enthält, die man nur durch intensives Suchen in verschiedenen Spezialitätenläden findet. Unter ihren Geschenktipps für Weihnachten befanden sich zwar durchaus zahlbare Gegenstände, es fehlte aber auch nicht die Hermes-Damenuhr für $ 1’850.-. Und denjenigen unter uns, die sich vom Alltagsstress erholen möchten, empfahl sie kürzlich einen Aufenthalt in Marrakechs neustem Luxusresort. Wer sich durch die bereits erschienen Ausgaben klickt, findet noch weitere solche Beispiele.
Als ich mich diese Woche mit der Planung unserer Sommerferien beschäftigte, erinnerte ich mich an eine Newsletter-Ausgabe, die kinderfreundliche Restaurants in verschiedenen Grosstädten präsentierte. Unsere Sommerferien führen uns auch nach London, also schaute ich mir die dort vorgestellten Restaurants an. In der Einleitung wird vermerkt, dass das Essen in diesen Lokalen nicht nur den Kindern, sondern eben auch den Eltern schmecken würde. Ich wurde das erste Mal misstrauisch, denn die Qualität des Essens gehört (leider) nicht zu den Hauptkriterien bei der Auswahl eines kinderfreundlichen Restaurants. Dann las ich mir Gwyneth’ Beschreibungen durch. In einem Restaurant lobt sie den grossen Garten mit den mit biologischem Gemüse angelegten Gartenbeeten, in welchem sich die Kinder wunderbar austoben können. Naja, bei weltbekannten Eltern drücken Restaurantbesitzer vielleicht beide Augen zu, wenn der Nachwuchs durch die Gemüsebeete trampelt. Wäre das Manndli oder ein anderes Kind in Aktion, sähe das wohl anders aus.
Und doch: Auch wenn die Bilder auf den Websites der vier Restaurants nicht wirklich Kinderfreundlichkeit signalisieren, die Wörter «kid friendly» und «family» nirgendwo auftauchen und die Preise in den Menüs selbst für uns Zürcher am oberen Limit sind, hätte ich Lust, im Sommer das eine oder andere Lokal zu besuchen. Denn so sehr mich die regelmässig vorgestellten Buch-, Restaurant-, Modetipps und Rezepte unterhalten, mir fehlte bis jetzt die Zeit (oder eine Nanny) oder das nötige Kleingeld um herauszufinden, ob mir ein Leben à la Goop denn überhaupt gefallen würde.




{ 1 Kommentar… lies ihn unten oderschreib selbst einen }
Also Bloog wären Sie bestimmt Werteste. Denn Sie sind ja sozusagen das Blog-Vorzeigemami und -Ehefrau. Eine der ersten Bloggerinnen, verheiratet mit einem Blogger, das Kind blogt auch, aber nur privat. Absolute A-Prominenz bei mir!