Seit heute wissen wir: Die hochgelobte 17-jährige Bestseller-Autorin Helene Hegemann hat abgeschrieben. Aus dem Roman eines Bloggers, vielleicht auch noch anderswo. Und während bereits erste Kommentare meinen «Na und? Gabs schon immer, wird es immer geben», würde mich interessieren, was beispielsweise der Verfasser dieser Lobeshymne aus dem Magazin vom 22. Januar 2010 denkt. Ich persönlich käme mir sehr ver.arsch.t vor.
Der betroffene Ullstein-Verlag spricht von der «Sharing Kultur des Internets, mit der Jugendliche aufwachsen». Ich glaube nicht, dass Helene Hegemann sich ihrer unrechtmässigen Handlung nicht bewusst war, finde es aber interessant zu überlegen, was für einen Einfluss es auf das Urheberrechtsempfinden von Jugendlichen hat, dass es für sie heute selbstverständlich ist, weder für Musik noch für Filme bezahlen müssen.
Was das Heranwachsen in unserer Web 2.0 Welt bedeuten kann, habe ich kürzlich in einem Artikel auf jezebel.com gelesen: Eine 15-Jährige Schülerin aus New York hat aus Protest gegen den fünfwöchigen Hausarrest, den ihr ihre Eltern auferlegt haben, weil sie zu spät und betrunken aus dem Ausgang kam, eine Facebook-Gruppe gegründet, die diese Ausgangssperre aufheben sollte, sobald sie mehr als 1’000 Mitglieder haben würde. Die Mitgliederzahl war – spätestens nach einem Online-Artikel in der New York Times – schnell erreicht, hat die Eltern zum Unverständnis der 15-Jährigen aber nicht sonderlich beeindruckt.
Nun mögen wir beim Lesen dieser Geschichte vielleicht erstmal einfach den Kopf schütteln, aber war diese Aktion wirklich so abwegig aus Sicht einer 15-Jährigen, für die Facebook zur Zeit wahrscheinlich einer ihrer wichtigsten Aufenthaltsorte ist? Die bestimmt schon verschiedene erfolgreiche Facebook- oder YouTube-Kampagnen von anderen Teenagern miterlebt hat? Eine der Kommentatorinnen auf Jezebel fragt «Grounding doesn’t exclude Facebook access?», und das hat mir klargemacht, dass es die Jugend von heute wohl nicht immer, aber mindestens zu Hausarrestzeiten besser hat als wir damals. Dank SMS und Internet sind sie dann immerhin nicht ganz so von der Aussenwelt abgeschnitten wie wir damals.




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den artikel im magazin habe ich auch gelesen und ich war so halbwegs fasziniert von dem mädchen, was sich in der zwischenzeit wieder etwas gelegt hat. aber erfolgreich ist sie jetzt schon mal, daran wird wohl auch die tatsache nichts ändern, dass sie alles nur abgeschrieben hat. früher gabs dafür einen Einer!
grossartig, diese 15-jährige :-)
aber die meisten 15-jährigen, schätze ich, können die Wirkungsweise von Facebook-Gruppen durchaus realistisch einschätzen.
Genau so wie ich glaube, dass 17-jährige grundsätzlich wissen, dass man nicht im Internet was zusammenkopieren kann und dann als eigenes Buch verkaufen – bzw. dass es grössere Probleme gibt, wenn man es doch macht und erwischt wird…