rückblende querbeet

von brigitte am 19/1/2005

in über mein leben,nostalgie

when the first baby laughed for the first time, the laugh broke into a thousand pieces, and they all went skipping about. and that was the beginning of fairies.

finding neverland ist ein wunderschöner, märchenhafter film, der mich regelrecht verzaubert hat. ich weiss dass das nun kitschig klingt, und es gibt sicher menschen, denen der film nicht gefallen wird, eben weil er ihnen zu kitschig oder zu sentimental ist. vielleicht muss man sich auf einen solchen film überhaupt erst einlassen können, oder auch wollen.

eigentlich habe ich gar nicht vor, über den film schreiben, das können andere soviel besser. ich möchte darüber schreiben, dass es mich immer wieder erstaunt, wie menschen öffentlich auftreten, von denen ich mir aufgrund ihres schreibstils wohl unbewusst schon immer ein bild gemacht habe. ein bild, dem sie dann natürlich überhaupt nicht entsprechen. ich rede jetzt nicht von äusserlichkeiten, eher davon, wie sie sich zu präsentieren vermögen. und um mich noch genauer auszudrücken: ich rede von redaktionsmitgliedern des magazins, die ich nun schon einige male an von ihrem blatt präsentierten vorpremieren quasi «in action» erleben durfte. sie stehen dann immer sehr unbeholfen auf der bühne, dem einen (ich getraue mich jetzt nicht namen zu nennen) möchte ich am liebsten jeweils den hemdkragen zurechtrücken und sagen: «chum, morgen gehen wir dir eine neue garderobe kaufen, eine, die nicht zwei nummern zu gross ist», einen anderen würde ich am liebsten in die seite kneifen, damit er weniger hölzern wirkt.

zu ihrer verteidigung muss man sagen, dass sie nach zwei, drei minuten jeweils auftauen und auch immer ein paar schöne geschichten zum besten geben. wie miklós gimez heute abend, als er erzählte, dass er als elfjähriger in einem theaterspiel im casino aussersihl als captain hook aufgetreten sei und sich deswegen berufen fühlte, uns heute abend vor dem filmbeginn persönlich zu begrüssen.

natürlich denkt ihr jetzt, die hat gut reden, soll sie sich doch mal vor einen vollen kinosaal stellen und fünf minuten lang etwas erzählen. ich weiss schon dass das nicht so einfach ist. ihr wisst aber nicht, dass ich vor vielen jahren, als knapp zwanzigjährige, diesbezüglich durch eine harte schule ging. als ich in den bündner bergen einen sommer lang deutsche kaffeefahrten-touristen jeden nachmittag mit einem fröhlichen «grüezi mitenand» auf die kommenden drei tage stressprogramm vorzubereiten hatte. aus mangel an zimmern so tun musste, als ob es für das klassische kaffeefahrten-ehepaar das non-plus-ultra sei, sich mit zwei oder drei ihm bis soeben noch völlig unbekannten personen eine suite zu teilen («ist doch toll wenn sie ihren freunden zuhause erzählen können, sie hätten im schweizer erstklasshotel in einer suite gewohnt!»). von der besichtigung des palace hotels in st. moritz vorschwärmen musste, wo der bus doch nur kurz davor stoppte und in der zeit keiner aussteigen durfte. wo ich jeden morgen um halb sieben 20 bildzeitungen gerecht unter 100 senilen bettflüchtigen verteilen musste, die dann alle auch noch mit 60 pfennig bezahlen wollten («wieso wollen sie rappen, hier auf der zeitung steht doch ganz gross pfennig»). wo ich auch mindestens ein mal die woche spätabends noch das halbe dorf mobilisieren musste, weil der ostdeutsche bus auf dem julier-pass in einer kurve steckengeblieben war.

und das alles übrigens für einen absoluten hungerlohn.

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1 Jonas 19/1/2005 um 08:35

Das klingt ja nach einer ganz schönen Durststrecke. Hat sie sich denn gelohnt?

2 Yasmeen 19/1/2005 um 12:40

Geh den Film auch schauen. Nach Closer kann ich ein bisschen Kitsch gut vertragen!

3 brigitte 19/1/2005 um 23:44

@jonas: gelohnt inwiefern?

auf alle fälle habe ich noch jahre später immer wieder genug zu erzählen über diese zeit.

4 Jonas 21/1/2005 um 18:36

@brigitte
Also eines weiss ich bestimmt, gewisse Dinge kann man nur erreichen wenn man auch fähig ist eine Durststrecke durchzustehen. Also beispielsweise einen Job der einem total schlaucht…

5 Jens Larsson 23/12/2011 um 13:46

Hey thats really cool stuff…does anyone know if kasino Maria is related to this article?

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